WeLive Lounge
Foto: WeWork
Zukunft Mensch Gesellschaft

Meins. Deins. Unser.

Co-Working ist bekannt, wird gelebt und geliebt. Co-Living gibt es mittlerweile auch. Wie immer sind die USA die Wiege dieser Idee. Der Anbieter WeLive bietet bereits solche Mitwohn-Modelle in New York an – Putzservice, Zahnbürste und Fitness-Studio inklusive. Da bleibt keiner allein.

Die Idee ist einfach und analog zum Co-Working zu verstehen: Man ist nicht allein, man ist zusammen, und man ist nicht verantwortlich. Gekommen, um zu bleiben? Das wird bei WeLive (Mutterkonzern WeWork) in Manhattan gleich mit einem Zeitfaktor relativiert. Denn auf Dauer häuslich einrichten wird sich hier niemand.

Was erwartet die Bewohner? Vor allem eines: Luxus und Mitbewohner. Für 3000 Dollar bekommt der Interessent und künftige WG-Bewohner neben einem Raum zum Wohnen noch Putzservice, Fitness-Studio, Bar, auf Wunsch auch Zahnbürste und Toilettenpapier-Service inklusive. Ein Rundum-Wohlfühl-Programm? Nicht für jeden.

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Natürlich geht es nicht nur darum, urbane Wohnräume zu schaffen, sondern wie immer auch um Geld. So stecken mittlerweile, wie hinter den Angeboten für geteilte Büroarbeitsplätze, auch hinter den Co-Living-Angeboten große Konzerne, die hier attraktive Renditen wittern. Digitale Nomaden als Aktienpaket. So werden bereits teure Flächen gemietet und nach einem Make-over wieder teurer weitervermietet.

Die Zielgruppe sind Gründer, Digital Natives und Freigeister. Jeder möchte ein schönes Ambiente, jedoch keine langen Mietverträge, den höchsten Grad an Flexibilität und ein leistungsstarkes W-LAN. Private Möbel sind unnötig, man steigt einfach in eine fertige Wohn-Konserve ein. Anders als in klassischen WGs castet nicht die Wohngemeinschaft die neuen Mitbewohner, achtete auf eine gemeinsame Lebenseinstellung oder auf ähnliche Hobbys, sondern die Menschen in den Co-Living-Appartements werden so zusammengesetzt, wie es die Anfragen ergeben – und danach, wer sich die Kosten leisten kann. Das hat Vor- und Nachteile. Ist aber nichts für jeden.

Die ersten Co-Living-Ansätze gab es bereits im Jahr 2014 in San Francisco, wo Programmierer zusammen in Wohnungen mit Stockbetten wohnten. Tom Currier entwickelte damals daraus die Idee, weitere Wohnungen anzumieten und ein sogenanntes Abo anzubieten. Die Idee floppte. Manches braucht eben Zeit. Mittlerweile tummeln sich viele Anbieter in diesem Markt. Nach den USA gibt es jetzt auch Pläne, solche Modelle für Berlin und Hamburg zu realisieren.

Wer sich am Ende für solch eine Art des Wohnens entscheidet, muss vieles akzeptieren, vor allem den geringen Grad an Selbstgestaltung. Doch es kann passen. Es geht den meisten darum, überhaupt Wohnraum zu finden und diesen mit der Arbeit zu verknüpfen.

Spannender Gegenpol: Manche Bewohner zahlen etwas weniger Miete. Sie sind „Botschafter“ und sollen dafür sorgen, dass Bewohner auch mal etwas gemeinsam unternehmen – als wären sie eine echte WG.

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  • Co Living Mini Shanghai Interior

MINI Shanghai: In der chinesischen Stadt wurde auf 8000 Quadratmetern ein Komplex realisiert, der Arbeiten und Leben miteinander vereint. Im Rahmen der Initiative von MINI LIVING entstehen seit rund zwei Jahren rund um den Globus viele solcher Innovationsansätze für das Leben in urbanen Ballungsgebieten. So auch in Schanghai. Es dreht sich alles um das Thema „Zusammen“: ob Arbeit, Leben, Kultur oder Sport. „Wir wollten ein Gebäude, das sich nach außen öffnet, es soll mit der Stadt Kontakt aufnehmen, ohne Mitgliedschaft und mit einer Open-Door-Philosophie“, sagt Oke Hauser, Creative Lead MINI Living. Das Konzept soll eine Alternative zu anonymen Wohn-Ghettos bieten, so Hauser.