Illustration: Stocksy
Zukunft Mensch Leben

Jacket „… says no!“

Künstliche Intelligenz in der Kleidung – wollen wir uns das wirklich anziehen? Und die Hoheit über unser Leben abgeben? Sicher nicht. Aber hilfreich darf sie schon gern sein. Auch wenn in der Serie „Little Britian“ noch der Computer „no“ sagt, was wir bereits ohne mit der Wimper zu zucken akzeptieren. Die sogenannten Wearables, gefüttert mit einem Haufen KI, sind jedenfalls kurz davor, uns zu sagen, was wir tun oder lassen sollen. Oder ist das nur blanke Hysterie?

Was machen wir bloß, wenn die intelligente Kleidung künftig schlauer ist als wir? Jeder möchte sicherlich gern aus einer Lawine gerettet werden, weil die Jacke Signale an die Suchtrupps schickt. Oder dass der Krankenwagen automatisch vorfährt, weil das Herz vorhat, demnächst zu kollabieren, und ein Infarkt bevorsteht. Keine Frage. Wer möchte das nicht? Doch wie weit sollte es eigentlich gehen? Sogenannte Wearables erinnern den Träger liebevoll und konsequent per Vibrationsalarm, dass man doch bitte ein paar Schritte gehen sollte, da man es sich anscheinend doch ein klein wenig zu gemütlich im Sessel gemacht hat. Personenwaagen weisen höflich darauf hin, dass am Wochenende wohl doch ein wenig zu viel geschlemmt wurde und der BMI gelitten hat. Um nur die harmlosen Fälle zu nennen.

Spaß oder harte Realität

Hört hier der Spaß schon auf? Lassen wir uns gern kontrollieren? In vielen anderen Bereichen ist die künstliche Intelligenz (KI) bereits so integriert, dass wir sie kaum noch bemerken. Bei Ikea diskutiert man entspannt und selbstverständlich im Netz mit „Anna“, was man denn nun genau für das hyggelige Zuhause sucht – Bolle, Kalle oder Knut. Oder die Telefon-Bots dieser Welt, die uns von echten Menschen fernhalten, weil die keine Zeit mehr für uns haben, um das eigentliche Problem kurz zu klären. Wir haben uns daran gewöhnt. Manches amerikanische Restaurant geht bei einer Online-Reservierung sogar so weit, dass es wissen möchte, woher und wie man anreist, welche Delikatessen einem besonders gut schmecken und wer das Haus gegebenenfalls empfohlen hat. Man fühlt sich vollends willkommen und erwartet – vom Bot.

Hand aufs Herz – oder auf den Chip. Schlaue Mützen, Brillen, Uhren, Shirts, Schuhe – die Liste wird immer länger. Die Bekleidungsindustrie (2018 / Umsatz 7 Milliarden / Deutscher Markt / Quelle Statista) steht mit ihren smarten Klamotten zwar noch vor mancher schnöden Hürde – etwa der Waschmaschine, denn derzeit ist so manche Intelligenz noch nicht schlau genug, sich vom Waschmittel nicht den Garaus machen zu lassen. Aber die Uhr tickt, und die Wearables werden mehr. Und ihre Funktionen auch.

In der Definition heißt es, Wearables sollen den „Alltag des Trägers unterstützen.“ Beiläufig wird ergänzt, dass sie dazu dienen, „in erster Linie (…) das Verhalten ihrer Träger zu messen“. So ist das also. Das Soft Computing kommt hier zum Einsatz. Alles natürlich zusammengefasst unter dem Begriff „smart“. Denn auch Kleidung hätte gern ein attraktives Image.

Doch es muss auch die Innovationsdynamik und der Erfindungsgeist hinter der schlauen Kleidung erwähnt werden. So hat die Firma AIKYOU einen Slip entwickelt, der einen Notruf absetzen kann, wenn die Trägerin angegriffen wird. Chapeau.

Intelligenz ist natürlich stets willkommen – immer und überall. Der Mensch darf dabei nur nicht das Denken verlernen. Die Rücksicht und die Manieren. Die Vorfreude auf die noch schlaueren und lebenserleichternden eTextiles und tragbaren Interfaces steigt somit. Wenn diese es auch an der Waschmaschine vorbei schaffen, heißt es dann: „Jacket says: mission completed.“